Über Wege und Ziele

18. Oktober 2008 um 10:28 | Veröffentlicht in Blog | 207 Kommentare

Der Weg war steinig, aber es war ein guter Weg. Alles ist so gegangen, wie es sich nicht nur Michael gewünscht hat: Zu Hause mit seiner Familie und seinen Freunden, ohne Schmerzen und ganz in Ruhe.

Michael ist heute Nacht um 0:50 Uhr seinen Weg zu Ende gegangen.

Rückblickend betrachtet war es magisch. Seine Mutter saß an seinem Bett, sein Bruder Joachim, Jens, Anna und ich waren in der Küche. WG-Abendessen, wie so oft in den letzten Tagen. Irgendwann, ich glaube, es war gegen halb elf, gingen wir alle vier gleichzeitig zu Michael. Seine Atmung hatte sich verändert. Wir waren alle im Raum und es war klar, was nun kommen würde. Niemand hat ein Wort darüber verloren, es war nicht nötig.

Zu Anfang war er unruhig, tönte beim Ausatmen. Das Tönen ließ nach, der Atem wurde ruhiger, immer ruhiger und weniger. Ich setzte mich zu ihm aufs Bett, fühlte nach seinem Herzen, es schlug nicht mehr. Er atmete einmal und wir dachten, dass er jetzt gegangen ist. Ein paar Sekunden später atmete er aber noch mal, und das war sein letzter Atemzug in dieser Welt. Er hatte es geschafft, am siebten Tag, und er sah dabei so friedlich aus und tut es jetzt noch.

Ich war ganz ruhig in diesem Moment, überhaupt nicht traurig, eher zufrieden, dass es so gelaufen war. Wir machten das Fenster weit auf, damit seine Seele den Weg nach draußen finden konnte. Wir froren entsetzlich dabei, es war so kalt draußen, in dieser schönen sternenklaren Nacht.

Es war mir ein Bedürfnis, alle ‚Krankensachen‘ aus dem Zimmer zu räumen. Räume reinigen, um sich selbst zu reinigen. Ich stellte Kerzen und Teelichter auf die Fensterbank, es war so schön in diesem Zimmer, das mal unser Schlafzimmer war und das jetzt sein Abschiedszimmer ist.

Nach einiger Zeit tranken wir in der Küche ein Glas Wein auf Michael. Und ich habe einen großen Topf Spaghetti gekocht, nachts um halb drei, weil Essen jetzt erlaubt und sehr nötig war.

An Schlaf war und ist nicht zu denken, ich bin bei Stunde 29 in diesem Augenblick.

Aber alles ist rund, immer noch rund, und es wird rund bleiben.

Gute Reise, mein Engel, Du warst ein toller Mann und der beste Vater, den man haben kann. Und hast in den letzten Tagen so viel Stärke bewiesen. Nie hätte ich gedacht, dass du so einen Marathon schaffen würdest.

Michael

– Andrea

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