Räumen

14. Mai 2009 at 13:49 | In Blog | 9 Comments

Zuweilen macht das eine ohne das andere keinen Sinn.

Man kann nicht einfach Möbel aus dem Keller räumen, ohne dabei auf andere Sachen zu stoßen. Seit letzter Woche und vor allem seit heute weiß ich, was der Spruch „eine Leiche im Keller haben“ bedeutet. Meine Leiche im Keller waren (und sind zu einem großen Teil immer noch) Michaels gesammelte Dinge.

Es galt, den Keller für den Sperrmüll auszuräumen. Es galt, wichtige aufzubewahrende Unterlagen von denen zu trennen, die nicht mehr gebraucht werden.

Für mich galt die Auseinandersetzung mit all diesen Dingen. Vergangenheit aufräumen, aussortieren, wegräumen. Die Büchse der Pandora öffnen, auf Unbekanntes und Vertrautes stoßen, alles von dem Menschen, der nicht mehr wiederkommt. Der nicht mehr sagen kann, warum es dieses Foto im Rahmen sein musste und warum jenes nicht. Warum es ungeöffnete Briefe gibt. Der manchmal wie ein unsichtbarer Vogel auf meiner Schulter sitzt, den ich frage, ob ich das eine tun soll oder das andere lieber nicht. Der diese Fragen nicht mehr beantworten kann.

Es schmerzt wie ein altes Pflaster, das man ganz langsam abreißt, weil es so sehr klebt. Und je voller die Abfalltüte wird, desto leerer werde ich.

Zuweilen macht das eine ohne das andere keinen Sinn.

- Andrea

9 Kommentare »

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  1. Liebe Andrea,
    ich wünsche Dir, dass auch die Leere ihren Sinn findet
    lass es zu, leer zu sein
    *still ist der Geist
    offen und leer*
    Diesen Zen-Spruch sage ich mir oft vor,

    alles Liebe für Euch
    erika

  2. Schwere Arbeit. *ganzfestedrück* Du schaffst das!

  3. Und doch ist es oft die Leere, die dann wieder Raum schafft für neues.
    Ich wünsche dir viel Vertrauen im Durchschreiten dieser Leere, beim Ablösen des Pflaster, und ich wünsche dir einen tiefen Seufzer der Dankbarkeit, wenn die Fülle zurückkehrt.
    Glaube daran.
    Trauernd leervoll verbunden
    Gabriela

  4. Leere als Voraussetzung für Fülle!

  5. Für dich ein Gedicht von Jan Skacel:

    alles schmerzt sich einmal durch
    bis auf den eigenen grund
    und die angst vergeht
    schön die scheune die nach längst vergangenen ernten
    leer am wegrand steht …

    vlg Andrea

  6. Liebe Andrea, „wo Platz frei wird, entsteht Raum für Neues“. Dieses Wort tröstet mich immer auf gewisse Weise, wenn ich eine Sache oder einen Menschen verliere.
    Die Traurigkeit wird noch sehr lange bei dir bleiben – vielleicht dein ganzes Leben lang. Sie wird mit der Zeit nur nicht mehr so weh tun wie heute.
    Herzlicher Gruß von Renate

  7. “wo Platz frei wird, entsteht Raum für Neues”
    das fand ich sehr gut und zutreffend.

  8. Liebe Andrea!

    Man kann die Dinge fest unter Verschluss halten – eine Kiste auf die nächste packen und noch eine oben drauf …, aber irgendwann muss man sie öffnen … oder hoffen, dass ein Hochwasser einem die Entscheidung abnimmt … oder wegziehen und alles einfach im alten Keller lassen.

    Dann sind vielleicht die Kisten weg – aber der seelische Druck bleibt und holt dich immer wieder ein.

    So wie du es machst, ist es tausendmal besser.
    Und schmerzhafter.
    Aber wichtig und gut.

    Herzliche Grüße von Michi

  9. hallo andrea,

    vielleicht ist so etwas auch besonders schwierig, weil wieder der zeitpunkt für das konfrontieren und abschied nehmen (von den sachen) fremdbestimmt wird – für den sperrmüll eben.
    auf der anderen seite rafft man sich sonst vielleicht zu lange nicht auf…?

    aufgeräumtes schafft neue struktur, sehr gerne und hoffentlich auch für dich.

    liebe grüße
    nina


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