In der Trauergruppe

25. März 2009 at 20:43 | In Blog | 10 Comments

Heute besuchte ich zusammen mit den Jungs zum ersten Mal eine Trauergruppe für Kinder, ein Angebot des Vereins Domino. Dort trifft man sich alle zwei Wochen in den Räumen des Ambulanten Kinderhospizdienstes, an den wir seinerzeit den Restbetrag aus unserer Spendenaktion weitergegeben hatten. Wieder schließt sich ein Kreis.

Zunächst war ich skeptisch, ob Gruppenarbeit das richtige für die Jungs ist, aber es dauerte nicht lange, bis wir uns dort sehr wohlfühlten. Die Kinder sind fast alle im Alter der Jungs und es sind auch einige dabei, die ein Elternteil verloren haben. Nach einer Vorstellungsrunde bastelten wir Hände. Wir malten unsere eigenen Hände auf Papier ab und sollten einen Wunsch oder einen Gruß an den Verstorbenen darauf schreiben. Beide Kinder schrieben auf ihre Hände „Ich vermisse Dich Papa“ und der Große machte eine zweite Hand, auf die er schrieb „Ich hoffe, Gott versorgt Dich gut“. Da wusste ich, dass es gut war, in diese Gruppe zu gehen. Die Trauer hat in unserem Alltag nicht mehr so viel Platz, andere Dinge sind in den Vordergrund gerückt und es fehlt zu Hause zuweilen einfach die Zeit für Besinnung. Dort, in diesem geschützten Raum, mit Menschen, die ähnliches erlebt haben, können wir uns diese Zeit nehmen, für Gedanken, Erinnerung, Tränen.

Ich habe auch eine Hand gebastelt. Schon als die Gruppenleiterin sagte, dass wir nun Hände machen werden, wusste ich, was ich machen würde. Eine Klavierhand, etwas anderes konnte es für mich nicht sein. Auf den Fingern schwarze und weiße Tasten nachempfunden, Notenschlüssel und Noten und der Wunsch, Michael noch einmal Klavier spielen zu hören.Die Hand hängt nun an der Flurgalerie neben einem seiner Fotos.

Später spielten die Jungs Tischkicker und ich ging rüber zu den anderen Erwachsenen. Wir stellten uns vor, berichteten von unseren Geschichten und führten ein gutes Gespräch. Es war ganz anders als im Trauercafé des Mildred-Scheel-Hauses, wo man mit den anderen Angehörigen den Krankheitsverlauf des Verstorbenen gemeinsam hat. Hier geht es um die Kinder, die alle in der selben Situation sind, auch wenn ihre Geschichten vollkommen unterschiedlich sind. Wir werden wieder hingehen.

- Andrea

Nicht rund, sondern eckig

12. März 2009 at 18:03 | In Blog | 12 Comments

Heute war ich mit meiner großen Anna bei der Steinmetzin. Sie ist die Schwester einer langjährigen Schulfreundin und hat einen eigenen Betrieb mitten auf dem platten Land. Jetzt, da fast ein halbes Jahr vergangen ist und Michael Grab schon seit längerem die übliche (und echt hässliche) Basaltgrundplatte trägt, wurde es allerhöchste Zeit, dass ich mich mit dem wirklich letzten ‘offiziellen Teil’ beschäftige. Ich hatte mir vorher nur wenige Gedanken gemacht und wusste eigentlich nur, was ich auf keinen Fall möchte. Und ich trug im Hinterkopf den Gedanken an einen Briefkasten.

Die Steinmetzin zeigte uns eine Auswahl von verschiedenfarbigen Graniten. Die meisten erinnerten mich an eine Küchenarbeitsplatte. Aber ein ganz schwarzer Stein sollte es auch nicht sein, der war zwar schön, aber auch ziemlich langweilig. Schließlich entschied ich mich für einen hellen Granit mit wenigen dunklen und dunkelroten Einschüssen, der matt geschliffen wird. Die gravierten Buchstaben – seine Name und die Jahreszahlen in der selben Schrift, die wir in der Zeitungsanzeige und auf der Grabtafel benutzt hatten – werden mit passender dunkelroter Farbe ausgemalt.

Eigentlich war meine Idee, nur die Basaltplatte gegen die Granitplatte zu tauschen und keinen weiteren Stein auf der Platte anbringen zu lassen. Die Steinmetzin überzeugte mich aber davon, dass Dinge, die auf der Platte abgestellt oder auf der Platte angebracht werden, mit ziemlicher Sicherheit beim Rasenmähen einfach überfahren und damit zerstört würden. Da ich aber so gerne ein auf Keramik gedrucktes Foto von Michael auf dem Stein anbringen möchte, wird es nun doch ein ‘Kissen’ auf der Basisplatte geben, ein ‘Klötzchen’, einen ‘Legostein’. Ein eckiges Kissen, kein rundes. Ein rundes würde zwar besser zu allem passen, was war, aber es sieht einfach nicht so gut aus.

Ich sprach die Steinmetzin dann auf den von Michael gewünschten Briefkasten an. Wir überlegten gemeinsam an einer Lösung und entschieden dann, dass in den vorderen Teil des ‘Legosteins’ drei Löcher gebohrt werden, die mit ‘Korken’ aus schwarzem Granit verschlossen werden. Diese sind abnehmbar und man kann kleine Zettel mit Botschaften dahinter unterbringen, für jeden von uns ein kleines Fach.

Es wird ca. vier bis sechs Wochen dauern, bis der Stein fertig ist und ich bin so gespannt, wie er aussehen wird. In meinem Kopf ist das Bild davon schon fertig, er wird einfach großartig aussehen. Und vielleicht wird er mich dazu bringen, diesen Ort, dieses Grab, nicht mehr ganz so fürchterlich zu finden.

Ein perfekter Bestatter, eine perfekte Steinmetzin. Noch perfekter wäre nur, wenn ich diese beiden Menschen niemals gebraucht hätte.

- Andrea

Zurück aus dem Winterurlaub

5. März 2009 at 09:40 | In Blog | 7 Comments

Urlaub ist, wenn Herr Winter zu Besuch kommt und man vor lauter Plaudern und die Zeit genießen zu nichts anderem kommt. Wir hatten wunderbare Tage, und auch mit den Kindern lief alles sehr gut.

Überschattet wurde alles vom Einsturz des Kölner Stadtarchivs am vergangenen Dienstag. Zum Glück war niemand von uns zu dieser Zeit in der Nähe des Geländes, der Große hatte eine halbe Stunde vorher die Schule verlassen, die gegenüber liegt. Nicht auszudenken, wenn alles früher am Tag passiert wäre … Natürlich ist auch so schon alles schlimm genug; es werden noch zwei Menschen vermisst, die man unter den Trümmern vermutet. Und die ganzen historischen Dokumente, 1000 Jahre Stadtgeschichte im Dutt.

Jetzt, wo ich wieder alleine zu Hause bin, komme ich dazu, alles Liegengebliebene zu erledigen und mit Anna weiter für das neue Charityportal Vi-tu.de zu arbeiten. Wir arbeiten an den verschiedensten Texten und haben großen Spaß dabei. Außerdem werde ich in den nächsten Tagen endlich mal nach einem schönen Grabstein für Michael suchen. ‘Meine’ Steinmetzin war im Urlaub und nun ist Gelegenheit, etwas passendes zu finden und installieren zu lassen (natürlich nicht, ohne wieder einmal horrende städtische Gebühren zu zahlen, ich liebe es ja so sehr).

- Andrea

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