Mittwoch
29. Januar 2009 at 12:38 | In Blog | 26 CommentsIch mag Mittwoch nicht. Der Mittwoch ist für mich das, was für andere der Montag ist. Ich komme kaum aus dem Bett (zumal, wenn ich so schlecht geschlafen habe, wie schon lange nicht mehr) und bin so antriebslos, dass es einfach keinen Spaß macht.
Trotzdem musste ich mich aufraffen, denn natürlich muss ich mich ausgerechnet für Mittwoch mit meinem Vater verabreden, der mir mit diversen handwerklichen Dingen half (und ganz nebenbei hat er auch noch drei Oberlichter geputzt, die, weil ich es doch so sehr hasse, auf Leitern zu steigen, seit unserem Einzug keinen Putzlappen mehr gesehen haben, Danke, Papa!).
Deswegen und weil ich auch am Dienstag tausend andere Dinge zu tun hatte, bin ich meinem Plan, die Krankenakte zu lesen, nicht nachgekommen. Die Dame Trauer hatte also doch keine Chance, sich hier niederzulassen. Ich mag den Begriff „die Dame Trauer“, auch wenn sie sich nicht besonders damenhaft verhält. Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Zu den gestrigen Umräumarbeiten gehörte auch eine Veränderung im Wohnzimmer. Michael wollte seinerzeit unbedingt, dass der blöde Fernseher an der Wand hängt. Es war ein Heidenaufwand, ihn dort anzubringen, aber es machte ihn glücklich und damit sollte es gut sein. Gestern ging mir dann auf, dass es hier nie mehr Diskussionen darüber geben wird, wie Fernseher an Wänden hängen oder wie Sofas stehen sollen, weil es nun an mir ist, das ganz alleine zu entscheiden. Kurz fand ich es doof. Dann schraubten wir den Fernseher von der Wand, stellten kleine Tische um und den Fernseher oben drauf und nun ist es so, wie ich es am liebsten habe. Allein den Kabelsalat rührten wir nicht an, weil es niemanden mehr gibt, der die Stecker so plazieren kann, wie sie gehören. Ein Relikt aus alten Technikerzeiten, das wohl für die Ewigkeit so bleiben wird.
Wenn es mir so gut geht wie nun schon seit scheinbar endlosen acht Tagen (ja, ich zähle sie), denke ich ab und an darüber nach, ob ich eigentlich für immer alleine bleiben möchte oder ob es nicht doch schöner wäre, wieder jemanden zu haben, mit dem man über die Position von Fernsehern und Sofas diskutieren kann. Ich habe ziemlich viele widersprüchliche Gedanken hierzu.
Natürlich wäre es schön, einen Partner zu haben, schließlich bin ich nicht aus Holz. Dann wiederum denke ich, dass wir/ich auch so super zurecht komme/n und dass Partnerschaft auch Kompromissbereitschaft bedeutet. Arbeit auch. Ich höre von hässlichen Trennungen und denke: Nein danke, dann lieber allein. Und ob man überhaupt jemanden findet, der den eigenen Ansprüchen genügt und obendrein noch bereit ist, das Päckchen mitzutragen, was man mitbringt, nämlich neben vielem anderen ein Herz, das ein Schild trägt, auf dem „zerbrechlich“ steht. Und da die besten Männer bekanntlich vergeben, schwul oder zuweilen auch einfach tot sind, dürfte es sich wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen verhalten. Und was ist, wenn sich am Ende die Geschichte wiederholt? Noch einmal so etwas erleben, jemanden gehen zu lassen? Puh …
Der Gedanke, ob es zu früh ist, darüber überhaupt nachzudenken, ist mir auch schon gekommen, klar. Aber wem täte ich einen Gefallen damit, eine bestimmte Zeit abzuwarten? Meine Mitstreiterinnen haben schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit neue Partner gefunden und dürfen sich dafür einiges Gerede anhören. Aber sie sind junge Frauen und handeln nach ihrem Gefühl. Den möchte ich sehen, der ihnen das verbieten darf.
Nicht Fisch, nicht Fleisch. Time will tell.
- Andrea
Yes, I can!
26. Januar 2009 at 21:10 | In Blog | 10 CommentsTja, Blogeinträge über den Alltag. Ich solle sie verfassen, sagte man mir, nicht nur von einer Seite. Aber er ist doch so öde, mein Alltag. Aber immerhin ist er einer, und die halbwegs vorhandene Struktur tut mir gut.
Ich kopiere tausend Papiere für fünftausend weitere Formulare, die unser Dasein sichern sollen. Wische mal hier durch die Wohnung und koche dort ein leckeres Mittagessen. Ins Büroleben habe ich mich inzwischen auch ganz gut eingelebt. Ich ging heute zum ersten Mal nicht mit einem komischen Gefühl im Bauch dorthin. Habe es geschafft, ein endlos langes Diktat in meiner persönlichen Rekordzeit fehlerfrei in den Computer zu hacken und war so von Stolz erfüllt, dass ich auf dem Weg nach Hause dachte: Ja, ich kann das. Yes, I can. Ich kann meine kleine Restfamilie versorgen, ich kann es einfach. Ein gutes, warmes Gefühl. Hochgefühl.
Ebenfalls warm und gut war die Geburtstagsparty meiner ‘großen’ Anna am vergangenen Samstag. Die Kinder waren nicht kleinzukriegen und so feierten wir bis halb eins, unglaublich albern und mit reichlich Gelächter und noch viel peinlicheren Fotos. Viele nette Menschen waren dort, die ich zum Großteil bis dato nicht kannte, aber auch das konnte ich, konnte ich wieder. Auf Fremde zugehen, über irgendetwas plaudern, interessiert sein und lustig. Yes, I can.
Trotzdem schwelt die leichte Angst in mir, dass dieses Hoch vielleicht nicht lange anhalten wird, dass wieder eine Trauerbremse kommt und das vielleicht eher, als es mir derzeit lieb wäre. Sie ist immer noch nicht meine Freundin, die Trauer. Sie kommt, ohne zu klingeln oder vorher anzurufen, und ungebetene Gäste konnte ich noch nie leiden. Sie schleicht sich rein und macht sich breit und hinterlässt auch noch hässliche Flecken.
Ich werde sie testen, die Trauer, morgen am Vormittag. Schon vor langer Zeit habe ich mir vorgenommen, Michaels komplette Krankenakte noch einmal zu studieren, Dinge hervorzuholen, die ich vergessen habe, vielleicht sogar im Nachhinein noch einmal Zusammenhänge zu verstehen, die mir bisher verborgen waren oder die ich einfach verdrängt habe. Ich werde alles an Arztbriefen und Diagnostikbildern herauskramen und auch meine persönlichen Notizen über seinen Zustand. Und dann sehen wir mal, ob der ungebetene Gast einfach reinplatzt oder nicht.
- Andrea
Drei Monate
22. Januar 2009 at 16:17 | In Blog | 14 CommentsDiese Überschrift pinselte ich am Sonntag ins Blog, mit dem festen Vorhaben, einen Text zu verfassen. Einen Text darüber, dass nun schon oder besser erst drei Monate vergangen sind seit Michaels Tod. Ich suchte nach Vergleichen und das einzige, das mir einfiel war, dass drei Monate ein für Kassenpatienten zu zahlendes Quartal beim Arzt und dass drei Monate ein Drittel einer Schwangerschaft sind. Da ließ sich wohl kein direkter Zusammenhang finden. Und schreiben konnte ich überhaupt nicht, ich war total blockiert.
Außerdem stürzte ich mich vom Drei-Meter-Brett kopfüber runter ins Loch, oder wurde ich von dort runtergeschubst? Diesmal kamen ganz jedenfalls viele Dinge zusammen. Es fing schon am Freitag an und ich weiß nicht mehr, warum ausgerechnet dann. Am Samstag und am Sonntag verließ ich für keine Sekunde das Haus, unterhielt mich nur mit Anna und Micki über ICQ und natürlich mit den Jungs, die am Samstag bei Freunden schliefen, hier zu Hause. Aber rausgehen, nein danke.
Der Besuch im Trauercafé im MSH am Montag, für den meine liebe Kollegin mir extra den Dienst freigeschaufelt hatte, war nicht so gut diesmal, denn gerade, als ich mich mit der netten Ärztin unterhalten wollte, setzte sich eine Dame an unseren Tisch und riss alle vorhandenen Ohren an sich. Ich spielte dann mit dem Kleinen Memory – er war mitgekommen, weil es dort so leckeren Kuchen gibt – und nach einer guten Stunde fuhren wir wieder nach Hause, ohne ein weiteres Wort mit jemandem gewechselt zu haben. Schlecht vom Kuchen war uns außerdem.
Am Montag Abend fragte ich mich ganz unmedizinisch, ob Tränendrüsen nicht einfach irgendwann die Arbeit einstellen, austrocknen quasi. Sie tun es nicht, es kommt immer noch mehr. Ich beschloss, im Loch noch ein wenig weiter nach unten zu buddeln und holte mir am späten Abend die E-Box mit ins Bett. Packte alles aus, alle Kleidungsstücke, seine Zahnbürste, den Schlüsselanhänger. Roch an seinem Parfum und weinte in den Kissenbezug seiner letzten Stunden. Und ich öffnete die Tüte mit den Haaren, die ich nach der Glatzenrasur von der Chemo beiseite gelegt hatte. Keratinstrukturen nur, und doch so wertvoll wie ein Goldschatz, denn sie sind das letzte, was von seinem Körper blieb, das letzte, was man anfassen kann. Die Fotos von ihm im Sarg. Nach dieser Aktion war ich so fertig, dass ich sofort einschlief.
Über den ganzen Dienstag hinweg ging es mir nicht wirklich besser, so dass ich gestern noch mal am Loch arbeitete. Diesmal nahm ich mir die Kiste mit den alten Briefen vor, fand so viele schöne Worte und Erinnerungen.
Es sind aber nicht die Erinnerungen, die schmerzen, sondern vielmehr das Wissen darum, dass wir keine neuen Erinnerungen mehr schaffen können. Dass es nie wieder Briefe geben wird, in denen steht, wie froh man ist, dass man sich gefunden hat, dass man die wunderbaren Kinder hat. Dass man sich liebt und auch, dass es nie wieder geschriebene Auseinandersetzungen geben wird. Nie mehr.
Ich suchte außerdem schöne Bilder von Michael und auch von uns anderen und druckte sie am Automaten im Drogeriemarkt aus. Später dekorierte ich damit unsere Fotogalerie im Flur um, es sind so wunderbare Fotos.
Als ich damit fertig war, ging es mir gut. Das kleine Krustentier hatte wieder seinen zu klein gewordenen Chitinpanzer abgelegt. Es tut weh, wenn er aufbricht und es ist eine Menge Arbeit, sich da rauszuschälen. Manchmal erscheint es unmöglich und dann ist er plötzlich doch weg. Liegt am Boden, kann weggeräumt werden. Bis der nächste wieder zu klein wird.
- Andrea
Alltag
15. Januar 2009 at 12:45 | In Blog | 18 CommentsMein hehres Ziel für diesen Blog war und ist, niemals über alltägliche Banalitäten zu schreiben. Aber immer nur über Flutwellen zu schreiben, ist auch irgendwie blöd, zumal ich aus der letzten wieder auftauchte, indem ich beschloss, dass der nächste Tag besser werden müsse. Er wurde es auch. Mein Alltag ist derzeit allerdings sehr unspannend, so dass ich hier etwas zerrissen bin.
Genauer gesagt ist der neue Alltag zuweilen sogar etwas langweilig und ich frage mich, ob es nicht besser wäre, mir ein paar mehr Aufgaben zu erteilen. Nicht, um vor meinem emotionalen Gulasch zu fliehen, sondern um mehr Struktur in den Tag zu bekommen. Ohne Struktur versumpfe ich nämlich ganz schnell und das kann nicht gut sein.
Es wäre ein leichtes, ins Regal hinter mich zu greifen, wahlweise ein Physiologie-, Anatomie- oder Chemiebuch in die Hand zu nehmen und dazu ein paar Karteikarten. Es wäre so einfach …
Aber es ist natürlich nicht so einfach. Dass ich im normalen Leben noch nicht angekommen bin, zeigte mir ein kurzer Stadtbummel heute. Es ist seit einem Sonntag mitten im Dezember so, dass ich in großen Menschenmengen (in denen ich mich äußerst unwohl fühle, das ist neu) nicht umhin komme zu denken, dass diese Leute alle irgendwann mal tot sein werden. Sie sitzen in der Bahn, fahren irgendwo hin und denken mit Sicherheit keine Sekunde lang darüber nach, dass ihr Leben endlich ist. Sie streiten sich mit ihren Leuten und wissen scheinbar nicht, dass sie das irgendwann bitterböse bereuen könnten. Sie umarmen sich und genießen den Moment, und ich denke, macht bitte immer weiter so, nutzt die Zeit und nutzt die Liebe. Manchmal ist es sogar so, dass ich mir vorstelle, wie die Menschen wohl aussehen würden, wenn sie tot sind.
Bin ich ein Fall für die Geschlossene?
Ist mir für den Moment egal. Die Sonne scheint. Ich geh’ raus, die Ebbe suchen.
- Andrea
Eine Flutwelle
13. Januar 2009 at 11:13 | In Blog | 20 CommentsZuweilen überrollt mich die Traurigkeit wie eine gigantische Flutwelle. Die Komponenten dafür, dass es so kommt, sind hausgemacht: Ein anstrengender Tag, maßlose Aufregung über eine Person, wenig Schlaf und am Morgen die Nachricht, dass wieder ein Mitstreiter den Kampf gegen den Prostatakrebs verloren hat. Das reicht, um mit dem Gefühl in den Tag zu gehen, dass es nur sehr kurz dauern kann, bis die Welle kommt. Und der Kloß im Hals wird immer größer, die Zange ums Herz immer enger.
Die Flutwelle kam, vor zehn Minuten. Und sie bringt mit sich, dass ich überhaupt nicht wahrhaben will, dass Michael tot ist. Sie bringt auch Wut mit sich, Wut auf diese verdammte Krankheit, Wut auf das Allein sein, Wut auf das Verlassen sein. Angst trägt sie mit sich, Angst vor allem was war, was ist und was kommen wird. Der Gedanke, in all diesen Gefühlen ertrinken zu müssen, unrettbar verloren, nichts auf dieser Welt wird all das jemals heilen können.
In solchen Momenten schaue ich Michaels Foto vom Morgen des 18. Oktober an. Wie er da so liegt, tot im Bett, tot und doch so schön. Eben immer noch so schön, dass ich gerade darüber eigentlich noch mehr ausrasten möchte. Aber tot eben, sichtbar, greifbar.
Mehr Bilder erscheinen vor meinem inneren Auge. Wie er mich in einem der seltenen halbwachen Momente in der magischen Woche anschaute, so als wollte er sagen, dass er lieber raus aus der Nummer wäre. Vielleicht wollte er mit dem Blick auch etwas ganz anderes sagen, woher soll ich das wissen? Er konnte ja nichts mehr sagen.
Diesen Blick kann ich körperlich fühlen, er geht mir durch und durch. Und wenn er sonst, wenn es mir gut geht, eine warme Erinnerung ist, so ist er in der Flutwelle ein kalter Teil von ihr, der mich weiter runterreißt.
Ein wenig Sonne wäre schön. Und Ebbe.
- Andrea
Über die Freundschaft
10. Januar 2009 at 18:56 | In Blog | 10 CommentsFreunde sind Menschen, die für dich zu jeder Tages- und Nachtzeit parat stehen. Die du jederzeit anrufen darfst, egal, ob es dir gut oder schlecht geht. Die mit dir zusammen ein paar Schritte gehen, obwohl sie eigentlich etwas anderes vorhaben. Und die mit dir zusammen anderthalb Stunden lang weinen, die nicht versuchen, deine Tränen zu trocknen, sondern dich im Weinen bestärken, weil sie wissen, dass weinen heilt. Die mit dir auf ungeliebte Friedhöfe und zu sehr geliebten Bäumen gehen, um dort mit dir zusammen innezuhalten. Die sich auch zum hundertsten Mal deine Sätze anhören, weil sie verstehen, dass dich das Thema immer noch beschäftigt und weil sie dich wertschätzen, genau so wie du sie wertschätzt. Mit denen du dich auch streiten darfst, weil du weißt, dass ein Streit mit einem Satz weggewischt werden kann.
Freunde sind Menschen, für die du fünf Monate nach ihrem Geburtstag endlich das seinerzeit geschenkte Essen kochst, und zwar so, wie sie es am allerliebsten mögen. Und du hast auch nicht vergessen, eine Geburtstagskerze vor dem Teller aufzubauen. Es sind Menschen, die du gerne in dein Haus einlädst, weil du weißt, dass dein Haus mit ihnen darin noch ein wenig wärmer wird. Denen du bedenkenlos ein paar Schuhe mitgeben kannst, an dem viele Erinnerungen hängen, weil du weißt, dass sie diese Schuhe mit Stolz tragen werden, dass sie weitergehen werden in diesen Schuhen.
Menschen, mit denen du ein großes Erlebnis teilst, zusammengeschweißt für immer.
Ich danke Euch. Für Euch.
***
Die letzten Tage waren sehr emotional. Die Rückkehr in die Arbeit, wenige Stunden sind es nur, aber eine so große Umstellung, dass ich dachte, ich muss daran eingehen. Die ganze Woche war vollgepfropft mit Organisation, die Kinder hier, der Hund da, ich im Büro und zu Hause tausend Dinge zu tun und tausend Tränen zu weinen. Wie leicht fiel mir das früher, alle Fäden in der Hand zu halten und kreativ zu sein, wenn andere sagen, das geht ja gar nicht. Und jetzt habe ich so oft gedacht, nein, danke, ich möchte aussteigen, ich kann das nicht, mir wächst das über den Kopf, jetzt schon, und am Ende werden wir alle verhungern, weil ich nichts auf die Reihe bekomme. Würde das neue Leben mit allem nie wieder so funktionieren wie das alte Leben? Kompletter Blödsinn natürlich.
Aber diese Momente, sie nagen. Habe ich mir früher niemals Gedanken über die Zukunft gemacht und lebte ich immer mit der absoluten Gewissheit, dass sich schon alles fügen würde, so denke ich jetzt ganz oft, nichts fügt sich. Kompletter Blödsinn natürlich. Es hat sich ja schon ganz viel gefügt. Und trotzdem … Anna, die Gute, holte mich dort ab, denn sie sagte: Dein Kopf und Dein Willen sind immer schneller als Dein Herz und Deine Seele. Ein Satz nur, und der reicht, um wieder auf den Boden zu kommen.
In dem ganzen emotionalen Rauf und Runter dieser Woche erreichte mich eine Mail von einer ehemaligen Arbeitskollegin von Michael. Sie hatte eine Weihnachtsgrußmail an seine Adresse geschickt und ich schrieb nach einigen Tagen zurück, was passiert war. Es dauerte, bis sie wieder antwortete, und ihre Mail war so schön und auch so traurig, sie hat mich sehr berührt. Dabei habe ich diese Frau im Leben noch nie gesehen. Mit ihrer Erlaubnis darf ich zitieren, was sie u.a. über Michael schrieb, weil sie mit diesen Worten mitten in meine Seele traf:
„Ich werde nie das Lachen deines Mannes vergessen, dieses gewinnende Lächeln, mit dem er so großzügig war und für das er sein ganzes Gesicht brauchte. Er hat nicht einfach nur die Mundwinkel nach oben gezogen. Er strahlte, vor allem mit den Augen. Aber wem erzähle ich das.“
Ja, Andrea, wem erzählst Du das. Aber danke von Herzen, dass Du es erzählt hast, denn es ist wahr.
- Andrea
Ein Neuanfang
5. Januar 2009 at 08:34 | In Blog | 39 CommentsDas gute Gefühl der Zuversicht hat sich gehalten.
Der Silvesterabend mit den Jungs war großartig. Wir führten den Hund aus, der keinen Tropfen von sich gab, weil er so ängstlich war wegen der ganzen Kracher, die schon am frühen Abend hochgingen. Wir brachten ihn nach Hause und gingen noch einmal runter und ließen selber ein paar Kracher los, Fontänen und Feuerwirbel, Kinderfeuerwerk eben. Und zu Hause machten wir es uns mit leckerem Essen und der bunten Brause gemütlich. Mit der großen Überraschung, einem elektronischen Spielzeug, schoss ich dann natürlich den Vogel ab. Wir versicherten uns gegenseitig, dass Michael diese Anschaffung im Leben nicht erlaubt hätte und spielten bis elf, sanken dann, den kleinen zitternden Hund im Arm, zusammengekuschelt aufs Sofa.
Das Feuerwerk um Mitternacht weckte mich, aber die Jungs waren kaum wachzubekommen. Waren sie vorher noch total elektrisch aufs Feuerwerk, wollten sie nun nur noch ins Bett. So stand ich, nachdem ich ihnen ein gutes neues Jahr gewünscht hatte, mit dem an meinem Bein angeklebten Hund am Fenster und trank mit mir selber auf 2009 ein Glas guten Sekt. Das viele Feuerwerk draußen hielt mich allerdings nicht davon ab, um halb eins komatös in die Kissen zu sinken.
Die kommenden Tage waren locker und schön. Wir feierten die Geburtstage von Klaus und Marliese nach, die eigentlich an Klaus’ Geburtstag am 19. Oktober gefeiert werden sollten. Zusammen mit den anderen Freunden verbrachten wir einen wirlich tollen und lustigen Abend. Und gestern dümpelten wir den ganzen Tag zu Hause rum, niemand trug je etwas anderes als einen Pyjama.
Ab heute aber wird alles anders sein, denn ich gehe zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten wieder arbeiten. Zuletzt war ich am 9. September im Büro. Am 15. September brachte ich Michael ins MSH und war so fertig, dass ich meinen Dienst für den Abend absagte. Am 16. September kam dann die Nachricht, dass Michael nicht mehr viel Zeit haben würde. Ein kurzes Gespräch mit der Personalabteilung und eine Besprechung dort später, hatte man mich ganz unkompliziert von der Arbeit freigestellt, damit ich mich um Michael kümmern kann. Dies ging so weiter bis Ende November und im Dezember nahm ich dann meinen restlichen Jahresurlaub.
Heute also werde ich zum ersten Mal wieder hingehen. Kurz nach dem Beginn meiner Freistellung ist das Büro umgezogen, ich kenne das neue Haus nur von außen und bin etwas aufgeregt, ob ich denn den Drucker und die Toilette finden werde. Und ich freue mich auf den fantastischen Ausblick auf den Rhein, das ist bestimmt sehr schön. Außerdem wurde meine Arbeitszeit erweitert und ich arbeite zusätzlich von zu Hause aus. Das ist so klasse, weil ich damit unser Leben gut finanzieren kann.
Alles fügt sich. Auf 2009!
- Andrea
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