Aufräumarbeiten

24. November 2008 at 09:43 | In Blog | 5 Comments

Mir kommt es so vor, als sei ich nur noch mit Aufräumen beschäftigt.

Ich habe ja schon vor einiger Zeit ein paar von Michaels Dingen aussortiert. Habe Kleidung verschickt für ein Projekt, das ganz großartig wird, das aber noch geheim ist, hihi. Habe Dinge verschenkt. Nicht nur die St.-Martins-Jacke, nein, auch die Freunde bekamen etwas. Willi bekam Michaels Handtuch, denn ihm war aufgefallen, dass es nicht mehr am Haken im Bad hing. Er erzählte mir, dass er Michael an dem Montag Morgen, an dem er ihn zum letzten Mal vom Inselbett ins Pflegebett verfrachtet hatte, das Handtuch gereicht hatte, damit er sich nach seinem (auch letzten …) Toilettengang die Hände abtrocknen konnte. Keine Frage, dass Willi dieses Handtuch bekommen musste.

Marliese bekam auch Handtücher, nämlich die, mit denen sie Michael in seiner letzten Woche nach dem Waschen im Pflegebett immer abgetrocknet hatte. Und Moni wünschte sich eine CD von Chick Corea, die sie auch bekam.

Für Klaus, Lars und Claudia fand sich an dem Abend nichts, aber zumindest für zwei dieser Freunde habe ich schon etwas gefunden, über das sie sich bestimmt freuen werden. So bekommt jeder einen kleinen Schatz zur Erinnerung.

Gestern habe ich Michaels Papierkram aussortiert. Ein armlanger Stapel ausgedruckte und mühevoll bearbeitete Aktiencharts aus der Zeit, als er sich mit diesem Thema noch stundenlang beschäftigte. Großen Erfolg hatte er mit dieser Geldjonglage nie, und ich erinnerte mich daran, dass er irgendwann einmal sagte, dass dieses endlose Streben nach Reichtum vielleicht ein bisschen Schuld daran hatte, dass er krank wurde. Man weiß es nicht. Aber es reichte für mich traurig darüber zu sein, dass ich ihn niemals darin gebremst hatte, obwohl es mir reichlich auf die Nerven gegangen war, dass dafür er so viel Zeit investierte.

Heute dann machte ich mich daran, meinen Schrank aufzuräumen und Sachen rauszulegen, die ich bei eBay verkaufen möchte. Und ich wagte es, ein paar von meinen Dingen in seine Schrankhälfte zu räumen. Seine Unterwäsche und Socken hatte ich schon vor ein paar Tagen für Gulliver aussortiert, es war also Platz in den Schubladen. Gestern noch hatte ich mich gefragt, ob es eigentlich schmerzärmer wäre, alle seine Dinge auf einmal wegzugeben, aber heute gefällt es mir besser, dass seine und meine Sachen vorerst zusammen im Schrank liegen.

Das ist noch lange nicht alles. Es ist immer noch viel von seiner Kleidung hier, und was ich mit all den alten Videobändern von seiner Arbeit als Cutter machen soll, die zu Hunderten im Keller liegen, ist mir derzeit noch ein großes Rätsel. Kommt Zeit, kommt Idee.

- Andrea

5 Kommentare »

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  1. Liebe Andrea,
    wie Du das alles packst – es ist mir wirklich ein Rätsel.
    Und ich finde es bezaubernd, daß Du Deinen und Michaels Freunden mit den Geschenken eine solche persönliche Freude machst.
    Ich freue mich einfach mal mit.
    Herzlichst, Eva – Maria

  2. Jeden Tag komme ich her, lese und staune. Es ist immer wieder eine Bereicherung und immer wieder ziehe ich aufs neue den Hut vor Dir. Du machst das alles mit besonderer Wärme. Ich wünsche Dir jeden Tag einen kleinen Schritt weiter. LG Nicole

  3. Die Idee mit den Geschenken finde ich auch sehr schön.
    Was die Videobänder angeht, behalt ein paar als Andenken und setz die anderen oder Teile davon bei Ebay rein. Dafür gibt es immer Sammler. Oder frag die Auftraggeber, ob sie welche zurück haben wollen.

  4. Ich lese hier seit einigen Wochen stumm, desöfteren wollte ich einen Kommentar verfassen, was ich immer wieder verworfen habe, da ich hier keine Platitüden veröffentlichen wollte. Jetzt möchte ich mich einfach ganz und gar dem Kommentar von Nicole anschliessen, die es ganz genauso ausgedrückt hat wie ich es empfinde.
    Ich fühle eine grosse Bewunderung für Dich, Andrea, und wie Du mit der ganzen Situation umgehst.
    Viel Kraft wünscht Dir weiterhin,
    Barbara

  5. Liebe Andrea,

    es ist gut, dass du alles nur nach und nach machst. Warum auch sollte man alte Erinnerungen gewaltsam aus seinem Leben schmeißen, weniger weh tut es dadurch auch nicht!

    Schön ist es auch, dass Eure Freunde ein Stück von Michael geschenkt bekommen haben, denn manche Erinnerungen möchte man manchmal einfach greifen können.

    Mach alles genauso weiter wie bisher, höre auf dein Bauchgefühl und wenn das Leben „Scheiße“ schreit, dann zieh die Spülung und spuck nochmal hinterher und das so oft, wie du es brauchst.

    Ich drücke dich und deine Lütten
    Jen

    P.S. Und den Brief an die Stadt könnte ich mir auch nicht verkneifen, einfach nur um zu rufen „Hey, wir haben keinen neuen Laternenpfahl eingefriedet, sondern einen geliebten Menschen beerdigt“.
    Irgendwie macht kaum noch jemand etwas aus Menschlichkeit und am allerwenigstens die Städte. Der preis ist völlig unangebracht.


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