Über Butterhörnchen und Lieblingsshirts

21. Oktober 2008 at 21:33 | In Blog | 21 Comments

Eigentlich wollte ich schon längst frisch geduscht im Bett liegen. Der Tag war anstrengend und ich habe unterwegs bittere Tränen geweint, aber zum Abend hin war es mit den Kindern wieder schön. Es gab Apfelpfannekuchen und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass irgendwann wirklich alles gut sein wird, mit uns dreien allein.

Der Bestatter rief mich am frühen Abend selber noch mal an, weil er mir etwas sagen wollte. Ich habe mich dann nochmals rückversichert, dass er selber mir das komplette Programm der Einsargung angeboten hatte und dass die Mitarbeiterin, die noch nicht lange dort arbeitet, eben dachte, dass es nur um den Abschied am offenen Sarg ging. So musste ich darüber nicht mehr grübeln. Er versicherte mir, dass er alles schön gemacht habe, dass es gute Fotos gebe und dass alles an seinem Platz sei, auch das Butterhörnchen.

Was es mit dem Butterhörnchen auf sich hat, mag ich gerne erklären. Als Michael im MSH war und auch, als er hier zu Hause war, hat zuerst Jens ihm immer ein Butterhörnchen zum Frühstück mitgebracht. Wie sie letztlich ausgerechnet auf Hörnchen kamen, weiß ich gar nicht, das werde ich Jens mal fragen. Eines Tages brachte Jens nicht nur ein Hörnchen mit, sondern auch dies hier:

Muss man dazu noch was sagen?

Ab sofort brachte jeder unserer Freunde zum Frühstück Butterhörnchen mit und daher ist es einfach nur logisch, dass Michael auch eins mit auf den letzten Weg bekommt.

Ebenso wie dieses unsägliche T-Shirt.

Es war einmal ein T-Shirt. Es war schon da, als ich Michael vor fast elf Jahren kennenlernte. Es ist ein einfaches weißes Shirt mit dem Aufdruck „Plattenbörse“, was wohl ein ehemaliger Plattenladen in Michaels kleiner Heimatstadt war. Ich fand das Shirt schon zum Abgewöhnen, als es noch ganz war.

Ca. einmal pro Jahr habe ich beim Ausmisten der Schränke gefragt, ob man den alten Hund nicht mal entfernen könne. Nein, war nicht erlaubt, das ist das Lieblingsshirt und das bleibt es auch. Der Stoff war inzwischen so dünn, dass er ganz zerlöchert war. Aber Michael hat es immer wieder mal zum Schlafen getragen, zuletzt vor wenigen Wochen, und er hat sich nicht im Mindesten daran gestört, dass ich ihn darin äußerst unsexy fand.

Anziehen konnten sie es ihm leider nicht, als er noch hier zu Hause war, es wäre garantiert dabei ganz kaputtgegangen. Und deshalb hat er nun die Mutter aller T-Shirts mit auf den Weg bekommen.

- Andrea

21 Kommentare »

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  1. Liebe Andrea,

    ich bewundere Ihre Stärke und wünsche Ihnen auf Ihrem Weg ganz viel Licht und Liebe, auch für die kleinen Jungs.

    Sabrina

  2. Liebe Andrea,
    ich habe deine Geschichte von Anfang an verfolgt, aber nie etwas dazu geschrieben. Mir fehlen, und das tut es noch immer, einfach die passenden Worte.
    Deshalb bleibt es mir nur Danke zu sagen, dass du all das mit uns teilst. Jeder einzelne deiner Blockeinträge macht mich, und da bin ich bestimmt nicht allein, ein Stück reicher.
    Danke dafür und noch ganz viel Mut und Kraft für dich und deine Jungs
    Dani

  3. :O)

    Neben der ganzen Trauer und mitfühlenden Wut über diese widerliche Krankheit hast Du mir gerade ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, liebe Tinka!

    Ich habe das Gefühl mit Dir zu plaudern, ein bißchen bei euch reinzuschauen. Dein Blog ist auch wie ein Butterhörnchen, Tinka :O).

    Ich wünsche euch, dass die „bitteren Tränen“ (ich denke, dass ist auch wichtig!) nicht die Überhand gewinnen und ihr für die nächste Zeit noch so viel Kraft habt wie bisher.

    Liebe Grüße,
    Martina

  4. Liebe Freunde von Michael und Andrea!

    Ihr seid so großartig, das glaubt einem keiner, wenn man das nicht jeden Tag hier in diesem Blog lesen könnte.

    All diese „kleinen“ und „großen“ Dinge, die Ihr mal eben so macht oder aus dem Ärmel zaubert….. Hammer!!!

    Ich mag jetzt gar keine Namen aufzählen, Ihr seid einfach alle Oberzucker, echt, megaobendrüber….

    Und Andrea mag ich jetzt einfach mal drücken, wenn ich darf

    (((Andrea)))

    Du bist zauberhaft und deshalb hast Du auch so zauberhafte Freunde!!!

    Liebe Grüße

    Kirsten

  5. Liebe Andrea,

    ja, ja – was so alles in einen Sarg mit hinein muss.

    Als mein Sohn beerdigt wurde, bestand meine Cousine darauf, ihm unbedingt -Carlo den Bär- mit in den Sarg hineinzulegen. Sie hatte ihn schließlich extra für IHN gekauft.

    Carlo brauchte fast so viel Platz wie unser kleiner, aber er ist dabei, auch wenn unser Sohn die Beine einziehen musste. :-)

    Alles Liebe für die Zukunft
    Christine

  6. liebe tinka,

    danke für die geschichte „um das shirt“.

    diese nachricht von jens ist einfach enzückend und ich bin froh, dass michael sein butterhörnchen mit auf den weg genommen hat, ebenso sein shirt.

    er hat es jetzt angezogen, da bin ich mir sicher :o )

    viele küsse, regine

  7. Liebe Andrea,

    eine solche Liebe dauert ewig und über Raum und Zeit weit hinaus!

  8. goldie,
    wie gut dieses bild endlich mal wieder zu sehen…
    :-)

    ich küss dir die bitteren tränen weg und glaube mit dir gemeinsam an eine sich gut anfühlende zukunft.
    es ist noch so viel zeit…
    es muss ja nicht gleich heute sein und auch nicht morgen.

    umarmung
    die muddi

  9. Das ist so schön geschrieben :°-)

  10. Andrea,

    ich kann mich nur Sabrina anschliessen. Ich bewundere Dich, Deine Kinder, Deine Familie, Deine Freunde. Eben, weil bei Euch alles so „rund“ läuft. Es liest sich alles so warm und schön, und ich kann mir gut vorstellen, dass es bei Euch auch so ist.

    Fühl Dich ganz fest gedrückt (((Andrea))).

    LG Beate.

  11. Liebe Andrea,
    ich bin jedesmal total platt, wenn ich deine Zeilen lesen.
    Daß manches rund ist, okay, das hab ich selber schon erlebt, aber weißt du, daß rund noch mehr rund sein kein, das wußte ich nicht.
    Zum rund sein gehören, wie ich mittlerweile durch dich und Michael, sowie den Jungs „erfahren“ habe, nicht nur glückliche Zeiten, nein, auch unglückliche dazu. Ich dachte doch immer, rund kann es nur dann sein, wenn alles okay und gut ist…
    Ich schöpfe aus deinen Zeilen immer wieder neuen Mut und ich werde sicherlich noch sehr oft hier lesen. Immer dann, wenn es scheint eckig zu werden…gucke ich nach, ob meine Ecken nicht auch wieder etwas rund werden können.
    „Themen“, die die letzten Jahre, Monate, Wochen bei uns immer wieder mal ganz oben stehen, Gedanken an die Zukunft und vieles mehr „erlebte“ ich in eurem Blog als so groß. Gedanken, die ich an Dinge ver“dacht“ habe und mich gefragt, wie und was irgendwann getan werden muß, schreibst du hier nieder und es gibt mir Mut, daß ich selber gar nicht so verkehrt denke (wie doch hier aufm Dorf viele meinen).
    Andrea, ich danke dir für deine offenen Worte, sie haben sich tief in mir eingenistet, was so gut ist.
    Ich wünsche dir alle Kraft der Welt, dann wenn du sie brauchst…und auch viel Schwäche, wenn dir danach ist.
    Alles Liebe
    Bianca

  12. Meine Liebe,

    ganz früh bin ich runtergeschlichen zum Briefkasten, um die Zeitung zu holen und ganz in Ruhe Eure Anzeige zu lesen.

    Ich schlug die Zeitung auf und mein Blick fiel zufällig genau auf Eure Anzeige.
    Sie ist wunderschön geworden. Voller Liebe.
    Außergewöhnlich. Traurig schön.

    Ich denke an Euch,
    bis bald,

    Dago

  13. liebe andrea,
    es ist sehr gut, wenn man alles so rauslässt wie sie es tun. sie sind auf dem richtigen weg.
    meine hochachtung
    traudel

  14. Liebe Andrea, wunderschön wie Du alles beschreibst. Ich erfahre hier bei Dir (und Euch) Heilung, Krankheit und Tod verlieren ihren Schrecken.
    Was für mich an Eindruck aus allem bleibt ist: allumfassende Liebe. Danke Dir dafür.

  15. So eine T-Shirt Geschichte gibt es hier auch. Erstaunlich, was man alles noch anziehen kann, das muss eine ganz besondere Verbindung sein. ;)

    Du bist eine tolle Frau!

    Alles Liebe

    Kathi

  16. oh man…
    ich hab noch nie so schöne sachen gelesen wie hier bei dir auf deinem blog…
    ganz viele grüsse, mel (zu tränen gerührt…)

  17. Liebe Andrea,
    ich habe eben die Todsanzeige für Michael in der Zeitung gesehen. Sie ist wirklich wunderschön gestaltet.

    Ich drücke Euch ganz feste!

    bye bye Claudi

  18. Klar muss das Butterhörnchen mit rein!!!
    Ach Andrea, es ist so wichtig, gute Freunde zu haben und ich bin so heilfroh, dass du diese Freunde hast!

    Ich bin eigentlich immer wieder nur fassungslos ob deiner Stärke!

    Umarm
    Karen mit Krümel Julia

  19. Liebes,

    im Büro angekommen schlage ich die Zeitung auf und sehe sie: Deine liebevolle und wunderschöne Anzeige und Michaels strahlendes Gesicht.

    Ich bin -genau wie Du ein Fan von Todesanzeigen- und ich habe wirklich schon viele gesehen und interpretiert. (Wie wir das in unserem Beruf eben machen ;o)
    Aber in Eure Anzeige, da gibt es nichts zu interpretieren, da weiß man was da war und ist: Wärme, Zuversicht, Abschied, natürlich Traurigkeit und dennoch Hoffnung und ganz, ganz viel Liebe.

    Auch „Dein letzter Schnitt“ von den Freunden, hat mich sehr berührt.

    Trotzdem doof.

    Ach Ihr…

    Verena

  20. Liebe Andrea,

    das mit dem Hörnchen ist ja eine schöne Geschichte, klar, dass er eines braucht auf dem Weg und die Story mit dem T-Shirt kenn ich… Danke, dass ich durch euch keine Angst mehr vor dem Tod habe!

    Liebe Grüße
    Sonja

  21. So schön geschrieben! Ihr habt tolle Freunde! LG Heike aus dem Sauerland!


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