Falsch ausgedrückt?

26. September 2008 at 08:04 | In Blog | 13 Comments

Ich habe mich wohl falsch ausgedrückt gestern. Die Kommentare, die kamen, zeigen es mir.

Wir sind glücklich darüber, dass unsere Familie und die Freunde jederzeit Gewehr bei Fuß stehen und Michael hat sich ausdrücklich gewünscht, viel Besuch zu haben. Jeder ist zu jeder Zeit herzliche willkommen bei uns!

Aber die Situation gestern Mittag war einfach ein Overkill. Meine Ma kam übrigens vorbei, um Rezepte zu bringen, die sie für uns abgeholt hatte, und sie saß in der Küche und hat geduldig gewartet, bis ich ein paar Minuten für sie hatte. Und der ganze Kram drumrum mit den Hospizlern und den Hilfsmitteln muss ja irgendwann gemacht werden, dann lieber einmal richtig Stress und dafür später dann Ruhe.

Heute wird es so sein, dass ich einkaufen gehe, wenn der Pflegedienst hier ist, und der wird von Freunden abgelöst, damit ich ohne Eile unterwegs sein kann. Heute Abend kommt dann noch mal ein anderer Freund vorbei und sonst wollen wir den Tag alleine verbringen. Zur Ruhe kommen, reden, und ja, vielleicht auch einfach mal dumpf fernsehen. So, wie es uns gerade in den Sinn kommt.

- Andrea

13 Kommentare »

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  1. Liebe Andrea, ich bin so gut wie sprachlos, hab eben
    deine letzten Enträge gelesen,
    wenn mein Mann schwerkrank zu mir sagen würde *ich hab so Angst vorm sterben*, das bricht einem doch das Herz oder? wie hältst du das aus? ich müsst ins Bad verschwinden und hemmungslos weinen,

    du hast mal geschrieben, ihr seid in die Situation rein gewachsen, aber manchmal ist es doch Overkill der Gefühle oder? Mein Gewäsch hier hilft dir recht wenig, auch meine Bewunderung für dich, nimmt dir kein Stück ab von dem was du gerade bewältigen musst, ja und eigentlich find ich einfach nicht die richtigen Worte,
    es tut mir so leid was ihr da aushalten müsst und was da auf euch zu rollt.

    Ich schick ein paar Sonnenstrahlen nach Köln.
    – Mia -

  2. meine lieben,
    ich wünsch euch das erforderliche maß ruhe, wenns euch danach verlangt,
    niemals alleine zu sein und immer die lieben menschen um euch zu haben, die euer leben teilen.
    wie ihr euer leben meistert ist grandios, ich habe selten etwas vergleichbares erlebt.
    ich denke an euch
    und schick euch virtuell kraft

    delie

  3. Liebe Andrea,

    fast täglich lese ich hier in diesem Blog. Ich bin berührt und fasziniert zugleich. Du bist eine so tolle Frau! Du zeigst, dass Wichtigkeiten Nichtigkeiten werden und man Prioritäten anders setzt.
    Du strahlst so viel Wärme aus.

    Ich wünsche Euch noch viel Zeit miteinander und dass Ihr diese genießen könnt.

    Ganz ganz liebe Grüße

    Gudrun

  4. .. gut, dass Ihr alle diese Zuwendung und Besuche geniessen könnt.
    Hoffentlich scheint dort auch die Sonne so wunderbar, wie hier in Iserlohn.
    ich schicke Euch ein paar Sonnenstrahlen ……

    LG Christel

  5. Andrea,

    du hast dich nicht falsch ausgedrückt – es stresst einfach ungemein, wenn das kuschlige Zuhause, das, was immer der familiäre, private Rückzugsort war, plötzlich zu einem Hauptbahnhof mutiert… Und wo hättest du „Nein“ sagen sollen? Es waren ja alles „offizielle“ Dinge, die geregelt werden mussten.

    Ach Andrea, du ahnst gar nicht, wie sehr ich an euch denke, an Michael, an dich und die Kinder. Als du dieser Tage schriebst, wie schlimm die Verabschiederei war, da hat’s mir fast das Herz gebrochen.

    Weißt du, alle Menschen (wir ja auch) wünschen sich, bis zum Schluss bei klarem Verstand zu sein, bloß nicht dement zu werden. Ich habe manchmal gedacht, es gibt wohl nix Brutaleres im Leben, als bei klarem Verstand zu sterben.

    Wie mag es in Michael aussehen? Seine Angst, sein Weinen, du beschreibst es so plastisch. Ich habe fast das Gefühl, bei euch zu sein.

    Es zerreißt einen. (Ich werde nie vergessen, wie ich mich von meiner Mutter verabschiedet habe, wie sie sich von jedem von uns verabschiedet hat und sogar ihren besten Freundinnen noch am Telefon „Adieu“ sagte.)

    Und ihr werdet gerade jeden Tag ein bisschen mehr zerrissen. Ich sende euch so unendlich viel Kraft, wie es gibt auf der Welt, um diese Zeit durchzustehen – und ihr wenigstens noch ein bisschen Ruhe und, ja, vielleicht auch fröhliche Momente abzugewinnen.

    (So wie ich dich und Michael einschätze, lasst ihr den Humor sicher nicht zu kurz kommen. Auch wenn’s tiefschwarzer Humor ist. Zwischen all dem Stress und dem emotionalen Aufruhr, den vielen Tränen und der unerträglichen Sorge, muss man über diese ganze Scheiße auch mal kräftig lachen. Wir hatten noch am Todestag so manche Situation, bei der wir unter Tränen lachen mussten. Darf ich dir eine sagen? Als ich meiner Mutter sagte, dass ich nur rasch runter gehe, um mit den anderen gemeinsam das Essen zu beginnen, aber dass ich direkt in fünf Minuten wieder bei ihr sei (zu dem Zeitpunkt wachten wir längst rund um die Uhr an ihrem Bett, ließen sie nie länger als zweidrei Minuten allein, wenn überhaupt), sagte meine Mutter zu mir: „Ist gut, Kind, geh’ nur runter. Ich esse nix.“

    So als ob wir ernsthaft erwartet hätten, dass sie noch einmal zu uns runter an den Tisch kommt. Das war so absurd, so süß, so unendlich traurig und doch so komisch, dass es eine der Situationen ist, über die wir auch mal herzhaft gelacht haben – natürlich mit fettem Kloß im Hals und Tränen in den Augen.)

    Andrea, alles, alles Liebe, wie immer und immer weiter – haltet euch noch ganz fest, ganz, ganz fest!

    Anja

  6. Liebe Andrea, Lieber Michael,

    Ich lese sehr *gerne* die Zeilen und Gedanken hier und bin sehr beeindruckt, wie das Hand-in-Hand bei euch läuft, wie Familie und Freunde mithelfen.
    Natürlich ist das zeitweise „in sich“ auch wieder anstrengend.
    Ich wünsche von Herzen für den Rest des Tages entspannte Stunden – ja, auch einfach mal vor der Glotze abhängen …

    Alles Liebe,
    Ich denke täglich an Euch,
    Bettina

  7. Liebe Tinka, lieber Michael!

    Ich wünschte, ich könnte „mal eben so“ vorbeikommen – dann dürftest du mich auch gern wegschicken, wenn es grad nicht passt, oder mich in der Küche parken oder ich würde fragen, ob ich irgendwo anpacken kann (und für dich tät ich wohl auch mit dem Teckel eine Runde drehen … ;-) )

    Es ist tröstlich zu lesen, dass und wie ihr das lebt, was, wie Anja schrieb, wir uns alle „wünschen“: Ein Geborgen sein im Kreis seiner Lieben, im eigenen Zuhause, bewußt jede Minute genießend, die man zusammen hat.
    Nichts ungesagt lassen, einfach alles dafür tun und alle Hilfe annehmen, damit es „rund“ ist.

    Auf der anderen Seite ist es einfach zu früh, viel zu früh – und es ist ungerecht und unbegreiflich und überhaupt alles … :-( (( Wenn schon ich mit den Füßen vor Wut aufstampfen wollte, und schreien – wie muss es dann erst dir, wie muss es Michael gehen?

    Wären wir alle hundert Jahre alt und abgeklärt, blickten wir zurück auf das, was sie ein „erfülltes“ Leben nennen … nun selbst dann kämen mit Sicherheit die Angst und die Wut und der Schmerz darüber, das Jetzt und Hier nicht festhalten zu können!

    Aber wir sind nicht hundert … :°°-(

    Wie so viele viele andere Menschen (manche von denen kennst du gar nicht und trotzdem tun sie es und mit nicht weniger Inbrunst als ich!!) denke ich unablässig an euch!

    Es ist beachtlich, was ihr alle miteinander leistet – die ganze Familie, auch und besonders deine Eltern, das darf man nicht vergessen!

    Du bist toll, Ihr seid alle großartig – und wenn dir mal danach ist, einfach nur ein bißchen auszurasten und die Nerven zu verlieren, dann weißt du hoffentlich, wie du mich erreichen kannst!
    Tag und Nacht – und das meine ich in Echtigkeit!

    Bussi von Michi

  8. Liebe Andrea!!

    Ich drück’ Dich mal – wenn ich darf.Ansonsten bin ich sprachlos, Du bist so stark für Deine Familie.

    Und Latein? Ja, da gab es doch diese 3 Lateintests in der Klasse 5a, nicht wahr? Greta hat auch gelernt dafür.
    Die Normalität ist eben auch da, neben dem Leid.

    Liebe Grüße von Petra

  9. Liebe Andrea,
    ich hoffe für euch, der Tag heute war ein bisschen geruhsamer. Manchmal kommt alles zusammen, jeder meint es eigentlich nur gut, aber irgendwie ist doch alles zuviel.
    Ich wünsche euch ein sonniges Herbstwochenende, Sonnenstrahlen, die eure Wohnung und euer Herz erreichen, Zeit für euch und mit anderen, Kraft und Durchhaltevermögen.

    Herzlichst
    Tine

  10. Liebe Andrea,
    jeden Tag lese ich Deinen Blog. Und bin immer wieder sprachlos über Deine Zeilen. Ich wünsche Euch von ganzem, ganzem Herzen, dass die letzte Zeit ganz lange dauern wird und Ihr Zeit füreinander findet trotz allem Drumherum. Ich bewundere Euch.
    Alles nur erdenklich Gute auf dieser ganzen Welt für Euch.
    Miriam

  11. Hallo, ihr vier!

    Beeindruckt von Eurem Zusammenhalt lese ich jeden Tag in Eurem Blog.

    Ich bin zutiefst betroffen – auch unbekannterweise – dass ihr die Zukunft preisgeben müsst!

    Ich bin fasziniert von Eurer Ehrlichkeit, Eurer Liebe!

    Diese Kraft zu leben, zu reagieren trotz größtem Stress, Andrea, kann nur durch ehrliche Liebe entstehen!

    Ich wünsche Euch, dass ihr jede Sekunde genießen könnt! Alle Momente in euch hineinsaugt!!!

    Ich bewundere Euch!

    Herzliche Grüße (die ich auch tagsüber ganz oft an Euch schicke!!!)
    sany

  12. Hallo Andrea und Michael mit den Kindern,
    ihr braucht euch für Nichts zu entschuldigen.

    Kein Mensch kann nachfühlen was für Stimmungsschwankungen ihr gerade durchmacht.

    Seit lieb zu einander, jeder der euch liebt versteht euch, ohne dass ihr euch rechtfertigen müsst.

    Viele liebe Grüße
    Traudel

  13. Liebe Andrea und Familie!

    Ich lese hier still euren Block mit und ich bewundere eure tägliche Kraft, alles zu bestehen und zu meistern! Ich schicke euch auch mal ein paar Sonnenstrahlen und Wärme aus dem Sauerland! LG Heike


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