Tage wie dieser
25. September 2008 at 21:56 | In Blog | 7 CommentsNoch mehr Tage wie dieser, und man kann mich irgendwo abkratzen. Oder einweisen lassen.
Tage wie dieser zeigen, dass uns allen ganz dringend etwas fehlt, nämlich Ruhe.
Hier war heute Durchgangsbahnhof angesagt. Morgens Pflegedienst, dann kam Michaels Psychologin, die gab der Frau vom Hospizdienst die Klinke in die Hand, mittendrin kam meine Mutter und dann auch noch der Mensch vom Sanitätshaus, der sich wiederum mit meinem Vater abwechselte. Und zwischendurch klingelten alle Telefone gleichzeitig.
Es REICHT!
Ich hatte nach der Putzorgie gestern so sehr auf einen ruhigeren Tag gehofft, aber nix war. Und ganz ehrlich, nach einem Arbeitstag von 16 Stunden habe ich jetzt einfach den Papp auf. Meine Pausen heute waren zwar schön, aber auch nicht wirklich erholsam. Wo kann man beantragen, dass alle Tage auf 30 Stunden verlängert werden? Wann kann ich so profane Dinge tun wie dumpf fernsehen?
Michael fand es heute auch sehr anstrengend, entsprechend machte seine Psyche irgendwann die Grätsche. Körperlich ging es ihm verhältnismäßig gut heute, dafür weinte er viel. Blank liegende Nerven wohl. Und wenn er dann sagt: „Ich habe so Angst vorm Sterben.“, dann ist meine Antwort: „Heute nicht, weißt Du doch.“ ein eher schwacher Trost.
Gerade kam Jens, der schläft heute hier und ich höre sie nebenan leise reden und kichern. Klassenfahrtfeeling im Jungszimmer.
- Andrea
7 Kommentare »
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Hallo Andrea!! … und nach einem solchen Tag schreibst Du noch.
Es ist ja so lieb, dass sich so viele Menschen um Euch kümmern, aber fragt auch mal jemand, ob Besuch angebracht ist? Habt Ihr die Möglichkeit auch mal NEIN zu sagen? ob Eltern oder Hospizdienst .. ?? Wenn die kommen, soll es doch für Michael und Dich gut sein?
ich finde das wichtig, damit Ihr mal für Euch seid..
alles Liebe für Euch.
Ich denk an Euch..
Christel
Kommentar von Christel — 25. September 2008 #
Scheiße!
Andrea, ich hab das durch unseren Umzugsstreß gar nicht so mitbekommen, was ist denn bloß im Moment los?! Erst Frank und nun keine Hoffnung mehr bei Euch?Was ist mit der Therapie?Michael hat sie doch angefangen oder nicht?Hat es gar nichts gebracht?Oh Mann, es ist zum Schreien….
Was soll ich sagen?Ich weiß, dass Ihr das als Familie einfach so hinbekommt, wie es sein sollte, die Jungs sind Klasse, Michael ist Klasse und Du bist Klasse. Ich wünsche euch bei all den Tränen, bei all dem Streß, den ganzen Besuchen und Erledigungen auch Zeit. Zeit wo ihr nur zu zweit sein könnt. Euch fühlen, weinen, trauern über das so nicht geplante Leben, lachen über all die lustigen Dinge, sprechen über Streits/Diskussionen, die nicht hätten sein müssen, viel Zeit zum Spüren, dass Ihr zusammen seit und ganz ganz viel Zeit, das alles auch noch zu geniessen.
Ich denke an euch, an die Kinder und wünsche Euch einen „guten“ Weg, wo er auch immer enden mag!
Alles erdenklich Gute von
Tina(61)
Kommentar von Tina — 25. September 2008 #
Ich drück dich einfach mal … ihr schafft das! Sag einfach mal „nein“ zu all den Besuchen *aufmunternd lächel*
Liebe Grüße mit viel Kraft und Energie … bin in Gedanken oft bei euch …
Carola
Kommentar von Carola — 25. September 2008 #
Hallo Andrea,
ich denke, es muß sich noch einspielen bei euch. Man kann oft erst nach einiger Zeit beurteilen, welche Hilfen wirklich gebraucht werden und wieviel Besuch zu verkraften ist.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass mich der Pflegedienst bei Schwiegermutter anfangs irgendwie genervt hat („fremde Leute hier, muß das sein“). Mittlerweile gehören die netten Medelz schon fast zur Familie und wenn sie nicht kämen würde uns allen was fehlen.
Der Privatbesuch wird von alleine mit Zeit weniger werden, denn auch die besten Freunde, auch die Famlie möchte irgendwann wieder die eigene Alltagsroutine leben. Wenn Du verstehst, was ich meine.
Dass Dein Mann psychisch angeschlagen ist, wundert mich nicht so sehr. Wäre ich so schwer krank und es kämen dann so viele Leute (Profis, Freunde, Familie), die sich um mich kümmern, hätte ich immer das Gefühl die machen jetzt alle schon ihren „Kondolenzbesuch“. Kein schönes Gefühl für jemanden, der schwer krank ist.
Ich wünsche euch also für die weitere Zeit Ruhe und Routine zum Kräfte tanken.
Alles Gute Elli
Kommentar von Elli — 25. September 2008 #
Na ja, ich frage mich bei allem, wie würdet ihr Sterben und gleichzeitig Einsamkeit ertragen? Dumpfes fernsehen kommt irgendwann und noch lange genug. Sei glücklich über so viele Kontakte. Die Dosis ist immer falsch.
KLaus
Kommentar von Klaus — 25. September 2008 #
Liebe Andrea und lieber Michael,
wenn ich Euern Tag hier lese, dann werde ich fast wütend: Warum habt Ihr keine Zeit für Euch? Warum könnt Ihr nicht sagen: Hey Leute, heute nicht. Wir brauchen jetzt uns zu zweit. Ruhe, Gedanken füreinander, Gespräche, gemeinsames Schweigen, Weinen, Lachen – was auch immer Euch gut tut, was Ihr braucht. Die Menschen meinen es garantiert gut, klar. Aber gut meinen heißt noch nicht gut machen. Andrea, Du bist so einen mutige Frau. Hab einfach den Mut und setze eine Grenze. Deine Grenze, Michaels Grenze. Wenn die Menschen nicht selber sehen, dass es Euch mal zu viel wird, dann zeig es Ihnen mit netten Worten. Bewahre Deine Kraft für Michael und eine gute Zeit mit ihm und den beiden Jungs.
Im Notfall hängst Du einfach ein Schild an die Haustür: „Heute sind wir uns genug, lasst uns mal ein bisschen Zeit füreinander.“ Oder so. Und wer trotzdem willkommen ist, der wird es wissen oder Ihr sagt es ihm/ihr.
Vielleicht ist das jetzt übertrieben von mir. Aber mir scheint es so, als bräuchtet Ihr eine Pause vom Trubel. ich würde Euch so gerne ein paar ruhige Stunden schicken und dafür gern einen Tag oder zwei oder drei von Euch abnehmen, mit aller Hektik und allen Hochs und Tiefs.
Ich denke an Euch und schicke all meine guten Gedanken. Und passt auf Euch auf, last Euch nicht vom Umtrieb anderer platt machen! Das ist so wichtig.
Alles Liebe
Petra
Kommentar von Petra — 26. September 2008 #
@Klaus:
ganz unrecht hast Du nicht, aber ich kann mir schon vorstellen, dass das eine Gratwanderung ist. Und manchmal muss es einfach auch „ganz platt fernsehen“ sein…
Liebe Tinka, lieber Michael,
achtet bitte auf EUCH, auf Eure Bedürfnisse – die gehen gerade vor ALLEM anderen! Wenn jemand sich vor den Kopf gestoßen fühlt, weil Ihr auch mal Ruhe braucht und einfordert, dann ist das nicht Euer Schuh!
Habt bitte keine Bedenken, Euch auch mal abzuschotten – Telefon raus, Klingel abstellen und einfach nicht da sein.
Alles Liebe und 2 dicke Umarmungen (die eine natürlich gaaaaaaaanz vorsichtig!)
Chris
Kommentar von Chris — 26. September 2008 #