Im Mildred-Scheel-Haus
28. August 2008 at 17:46 | In Allgemeines | 6 CommentsHeute morgen habe ich Michael nun also ins Mildred-Scheel-Haus gebracht. Aber der Reihe nach:
In der Klinik war es einfach nicht gut. Der Laden ist ein wunderbarer Ort zum Arbeiten, aber manche Station geht als Patient eben einfach nicht. Nachdem Michael mit seinen seltsamen Zimmernachbarn überhaupt nicht zurecht gekommen ist, hatte er sich in der Nacht zum Dienstag in ein anderes Zimmer verlegen lassen. Dort war es dann wenigstens ein bißchen besser. Am Dienstag Mittag wurde noch ein Oberbauch Sono gemacht und die Lunge wurde auch geschallt. Alle Organe waren in Ordnung, nur gab es einen kleinen Pleuraerguss (um 100 ml, wenn ich es richtig verstanden habe). Es sollte noch ein CT von der Lunge gemacht werden, eine Pleurapunktion und eine Magenspiegelung ?!??!?! Was letztere sollte, hat keiner so richtig verstanden. Michael hat jedenfalls all diese Untersuchungen abgelehnt.
Am Mittwoch Mittag habe ich ihn mit nach Hause genommen. Eigentlich hätte er einen Termin zur Bestrahlung gehabt und wir waren schon auf dem Weg dorthin. Da er aber sehr schlapp und kaltschweißig war, sind wir kurzerhand nach Hause abgebogen und ich habe ihn ins Bett verfrachtet.
Der restliche Tag war dann ganz schön mit den Kindern. Ich habe sein Lieblingsessen gekocht und wir haben alle zusammen im Bett zu Abend gegessen, weil Michael nicht aufstehen konnte. Überhaupt sind die Kinder so fantastisch, man kann es gar nicht beschreiben. Die Nacht hat Michael ganz gut überstanden und heute morgen fuhren wir dann ins MSH.
Dort angekommen waren wir gleich überwältigt von der Fürsorge, die einem entgegengebracht wird. Michael hat ein schönes Einzelzimmer mit einem sehr bequemen Pflegebett, ein großes Bad, direkten Zugang zum Garten und allen möglichen PiPaSchnüff, den man zum Wohlfühlen braucht. Die Schwestern und Ärzte sind unglaublich nett und bemüht, ganz toll. Er wurde gleich mit Schmerzmedikamenten versorgt, richtig im Bett gelagert und war, bevor ich gehen musste, so entspannt, dass wir zum ersten Mal seit drei Ewigkeiten auch wieder über echt blöde Witze lachen konnten.
Wie lange er dort bleiben wird, ist noch nicht klar. Das Ziel ist ja, ihn mit Medikamenten und psychologischer Unterstützung wieder so weit auf die Füße zu kriegen, dass er zurück nach Hause und hier einigermaßen vernünftig leben kann. Die Strahlentherapie wird voraussichtlich für die Dauer seines Aufenthaltes dort weitergeführt, das Strahlenzentrum ist direkt nebenan.
Trotzdem sind wir beide beherrscht von dem Gedanken, dass dies alles der Anfang vom Ende sein könnte. Zu hoffen, dass alles wieder ins Lot kommt und wir noch eine lange Zeit zusammen haben werden, ist derzeit nicht einfach, manchmal sogar unmöglich. Es sind so viele Tränen geflossen in den letzten Tagen, und es bleibt immerzu dieses Wäh-Gefühl zurück. Michael macht sich so viele Gedanken darüber, was aus uns werden wird, aus den Kindern und mir. Aber es gehört wohl dazu, nun auch mal über solche Dinge nachzudenken und sich zu fragen, wie alles werden könnte. ‘Schön’ geht einfach anders.
Unser Schild, „Wir werden siegen!“, es klebt immer noch an seinem angestammten Platz auf der Wohnungstür. Ich würde so gerne wieder glauben, dass dieser Satz Wahrheit wird.
- Andrea
6 Kommentare »
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Entries and comments feeds.
sprachlosigkeit und hilflose wut wenn ich dies lese.
mehr als..ich denke an euch….und würde tausend dinge vom ikea schicken..wenn es doch helfen würde.
Gruß
Zoë
Kommentar von Zoë — 28. August 2008 #
Liebe Tink,
Du bist so stark, so menschlich …. ich schicke Euch eine Riesenportion Kraft.
Es wird gutgehen! Auch Michael ist ein Rädchen in diesem Uhrwek und wird gebraucht!!!!
Ich drücke Euch alle vier
Sabi vom Niederrhein
Kommentar von Sabi — 28. August 2008 #
Hoffnung hat viele Dimensionen, liebe Andrea.
Viele Grüße von Birgit
Kommentar von Birgit — 29. August 2008 #
liebe, wie immer weiss ich nicht, was ich dazu schreiben soll – es ist auch aus der entfernung einfach unfassbar. wie muss es erst sein, wenn man drinsteckt :-/
ich schicke auf jeden fall viele bussis und wie immer: ich denk an euch und wünsche alles, was man nur wünschen kann.
bussis,
yas
Kommentar von yasmin — 29. August 2008 #
Hoffnung und Angst liegen so furchtbar nah beieinander. Ich hoffe von Herzen, dass ihr im Mildred Scheel Haus ganz viel Hoffnung tanken könnt und dass es Michael bald besser geht.
In Gedanken dauernd bei euch,
Verena
Kommentar von Verena — 29. August 2008 #
Immer wieder lese ich bei Euch und hoffe und bange und drücke Euch die Daumen. Ich bewundere Euren Mut und die Kraft und ich wünsche Euch so sehr, dass Ihr am Ende siegen könnt!!!
Meine Mutter hat seit 4 Wochen die Diagnose Krebs. Das Thema und diese schreckliche Krankheit wohnt nun auch bei uns.
Die Hoffnung ist es und die Liebe, die uns trägt.
Für Euch alle weiter die liebsten Wünsche. Von Herzen.
Nicole
Kommentar von Nicole — 30. August 2008 #